Frisch Franz 27.10.2015

Quelle PNP:

Grainet. Der Unternehmer wirkt gefasst, als er mittags vor seinem ausgebrannten Haus steht. "Doch als ich in der Früh hier ankam, da war ich ein gebrochener Mann." Einbrecher haben Feuer in seinem stattlichen Anwesen am Ortsrand des schmucken Bayerwald-Dorfs Rehberg (Gemeinde Grainet/Lkr. Freyung-Grafenau) gelegt – auf 500000 Euro schätzt die Polizei den Schaden.
Die skrupellosen Täter wussten offenbar, was sie taten – womöglich hatten sie das Haus ausgespäht. Denn es war in der Nacht von Samstag auf Sonntag verwaist. Gemeinsam mit seiner Tochter und Bekannten hatte der 60-jährige Bewohner auf der Wiesn gefeiert und in seinem Zimmer in München – der Rehberger ist oft beruflich in der Landeshauptstadt tätig – übernachtet, als ihn um 3 Uhr ein Anruf aus dem Schlaf schreckte. "Dein Haus brennt, hat mein Nachbar gesagt. Ich hab gesagt, dann lass es brennen, weil ich an einen Scherz dachte. Doch er hat gesagt: Das ist kein Scherz."
Der 60-Jährige setzte sich sofort in sein Auto und fuhr heim. "Mir schossen die Gedanken nur so durch den Kopf. Dass ich das Bügeleisen vielleicht nicht ausgeschaltet habe oder so." Doch den Unternehmer trifft keine Schuld, wie sich nach dem Löschen des Feuers, das im Dachstuhl ausbrach, schnell herausstellte. Beim Rundgang mit der Kriminalpolizei durch das arg in Mitleidenschaft gezogene Gebäude stellten der Hausherr und die Beamten fest, dass eingebrochen worden war. Und die Täter Feuer gelegt hatten. Mehrere Behältnisse hatten die Unbekannten zuvor aufgebrochen oder durchwühlt, ihre Beute: hochwertiger Schmuck, Silberbesteck, Teppiche – und Jagdwaffen. "Eine Pistole, ein Revolver und acht Gewehre. Sowie etliches an Munition."
Der Unternehmer ist passionierter Jäger und gab gegenüber der PNP an, die Waffen ordnungsgemäß in einem dafür vorgesehenen Spezialschrank versperrt zu haben. Die Schlüssel seien in einem Tresor im Büro gelegen, den die Einbrecher offenbar aufbrachen oder aufschweißten – den schweren Safe nahmen die Einbrecher nach Angaben des Geschädigten mit.
Ein Nachbar, der von einer Hochzeit nach Hause fuhr, hatte indes das Feuer bemerkt und die Integrierte Leitstelle in Passau alarmiert. Ein Großangebot an Rettungskräften rückte aus – und die Aktiven hatten eine brenzlige Situation zu meistern. "Die Täter hatten zwei Gasflaschen am Eingang aufgestellt und aufgedreht", sagt Einsatzleiter Karl Göttl, Kommandant der örtlichen Wehr. Die 11,5-Kilo-Flaschen hatte der Unternehmer in der Garage gelagert – "zum Grillen oder wenn ich mal etwas Gas auf einer Baustelle brauche", sagt der Hauseigentümer, der in der Baubranche tätig ist.
Einen Verdacht, wer die Täter sein könnten, hat der Unternehmer nicht. Doch vielleicht habe es sich in Diebeskreisen herumgesprochen, dass das etwas abgelegene Anwesen ein lohnendes Ziel ist. "Im Frühjahr wurde schon einmal bei mir eingebrochen, damals nahmen die Täter einen Fernseher, ein Fernglas und ein paar Jagdmesser mit – das waren noch Lappalien."